Interreg

Deutschland-Nederland

Doppelte Qualifizierung = doppelte Chancen

Fachleute in der Region - Ausbilden. Weiterbilden. Binden.

Wie schön wäre es, mit dem niederländischen MBO-Diplom in Deutschland arbeiten zu können, ohne jegliche administrative Hindernisse. Mit dem Markt mitbewegen, wenn es geeignete Arbeiten an der Grenze gibt und umgekehrt. Gemeinsam mit dem Regionalen Technologiezentrum (RTC) in Hardenberg und dem BTZ des Handswerks in Lingen als Leadpartner hat das Alfa-College die Möglichkeiten für technische Handwerksberufe in der Grenzregion untersucht. Das Projekt „Doppelte Qualifizierung = doppelte Chancen“ ist nun abgeschlossen.

„Das Projekt entstand während der Rezession. Es gab wenig Arbeit und junge Menschen aus der Region zogen nach Westen, während es Arbeit in Deutschland gab“, sagt Mirko Wohlrabe, Projektleiter auf niederländischer Seite. „Eine verpasste Gelegenheit, dachten wir. Wir wollten untersuchen, was nötig ist, damit die Grenze nicht als Hindernis wahrgenommen wird, sondern die gesamte Region als ein Gebiet. Deutschland und die Niederlande, mit einem 360-Grad-Blick“.

 

Einblick in Kompetenzen

„Transparenz und Kommunikation sind sehr wichtig. Das haben wir in den letzten vier Jahren gelernt. Wenn ein Arbeitgeber nicht weiß, was ein Diplom bedeutet, wählt er schnell einen Mitarbeiter in seinem eigenen Land aus. Egal wie schwierig diese Suche auch sein mag. Deshalb haben wir die Unterschiede in den Ausbildungsinhalten sowohl für die Niederlande als auch für Deutschland herausgearbeitet. Unternehmen finden die Idee super, weil jetzt klar ist, wozu zum Beispiel ein deutscher Anlagenmechaniker qualifiziert ist. Und ob Teile seines Lehrplans auch Bestandteil der Ausbildung in den Niederlanden sind und umgekehrt.“

In den Informationsbroschüren, die das Projekt herausgegeben hat, werden übersichtlich in Tabellenform gezeigt, was die Kompetenzen und Fertigkeiten eines Mitarbeiters sind: Grün steht für volle Fachkenntnis und Autorisierung, Gelb für volle Fachkenntnis, aber keine Autorisierung und Rot steht für wenig Fachkenntnis, ohne qualifizierte Umsetzung. So können beispielsweise Arbeitgeber in den Niederlanden und Deutschland auf einen Blick sehen, was jemand für ihr Unternehmen tun kann.

Ergebnisse des Projekts

Die Ergebnisse des Projekts wurden am Montag, den 11. November 2019 im Nino-Hochbau in Nordhorn von den Projektpartnern Hugo Kirchhhelle vom BTZ des Handwerks und Mirko Wohlrabe vom Alfa-College vor mehr als 60 Personen aus Politik, Bildung und Wirtschaft vorgestellt. Das Thema der Abschlusskonferenz war „Fachleute in der Region – Ausbilden, Weiterbilden, Binden“. So referierte zum Beispiel Lena Clausen von der IHK Flensburg über ihre Erfahrungen mit grenzüberschreitender Ausbildung im dänisch-deutschen Interrreg-Projekt „Starforce“.

Lena Clausen von der IHK Flensburg berichtet von ihren Erfahrungen im deutsch-dänischen Interrreg-Projekt Starforce

Das Fazit des Projektteams lautet: Die Anerkennung von Abschlüssen in Deutschland ist für unreglementierte Berufe nicht erforderlich. Transparenz hingegen ist sehr wichtig. Einblick in die fachliche Kompetenz des Mitarbeiters. Das bedeutet, dass ein Student ungehindert in der Grenzregion arbeiten kann! Hans-Joachim Haming von der Deutschen Arbeitsagentur stimmt zu: „Es muss selbstverständlich sein, dass wir uns auf allen Ebenen reibungslos bewegen können, sei es auf Arbeits-, Politik- oder Bildungsebene. “

Tijs de Bree, Regionalminister der Provinz Overijssel, sprach sich dafür aus, dass weitere Berufe auf ihre Gemeinsamkeiten und Unterschieden hin untersucht werden. “Genau solche sehr konkreten Initiativen helfen, um einen gemeinsamen Arbeitsmarkt in der Grenzregion voran zu bringen.”

Die Experten waren sich auch einig, dass dem Unterricht in den Nachbarsprachen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. „Aber an der Sprache darf es nicht scheitern“, sagt Ben Kuipers, Geschäftsführer der Installationsfirma Loohuis, die auch eine Niederlassung in Rheine hat. „In unserem Unternehmen sprechen Kollegen aus Deutschland und den Niederlanden einfach platt miteinander. Das funktioniert immer.“ Niederländische Studenten können, wenn sie es wünschen, zusätzliche Kurse belegen und dann in Deutschland die volle Anerkennung erhalten.

Während der Podiumsdiskussion unter der souveränen Leitung von Kerstin Schweighöfer (re.) erzählten Vertreter aus Politik und Wirtschaft über ihre Visionen eines gemeinsamen Ausbildungs- und Arbeitsmarkts in der Grenzregion. V.l.n.r.: Hans-Georg Kronemeyer (Kronemeyer GmbH), Franz-Josef Sickelmann (Landesbeauftrage des Landes Niedersachsen für regionale Entwicklung), Tijs de Bree (Regionalminister der Provinz Overijssel), Gitta Luiten (Beigeordnete der Gemeinde Hardenberg), Hans-Joachim Haming (Geschäftsführer Arbeitsagentur Nordhorn) und Ben Kuipers (Geschäftsführer Loohuis installatietechnieken bv)