Folge 3/9: Warum ist Europa wichtig?

DER WISSENSTRANSFER NIMMT EINE WICHTIGE ROLLE EIN!

Im Gespräch mit Imke Wemken

Folge 3/9: Warum ist Europa wichtig?

Interview 3 der Serie ,,Warum ist Europa wichtig?“
Im Gespräch mit Imke Wemken
INTERREG-Projekt Watten-Agenda 2.0

Die Europawahl steht vor der Tür. Oft ist Europa im Alltag nicht sichtbar. Sieht man aber einmal genauer hin, ist Europa allgegenwärtig, vor allem auch in unserer deutsch-niederländischen Grenzregion. Und genau hier setzen wir mit unserem INTERREG-Programm Deutschland-Nederland an, um mithilfe von grenzüberschreitenden Projekten Europa „greifbar“ zu machen.

In den kommenden Wochen gehen wir mit einigen Menschen, die hinter den INTERREG-Projekten stehen, ins Gespräch. Erfahren Sie, was Europa in unserer Grenzregion macht und bedeutet – und bilden Sie sich selbst Ihre Meinung!

Zur Person

Imke Wemken ist Geschäftsführerin der Ostfriesland Tourismus GmbH. Die Ostfriesland Tourismus GmbH (OTG) wurde am 28.10.2004 mit dem Ziel gegründet, die Förderung des Tourismus insbesondere des Tourismusmarketings und somit die Erschließung der touristischen Quellmärkte im Interesse der Gesellschafter effizient, ziel- und erfolgsorientiert zu gestalten. Zu den Gesellschaftern gehören die Landkreise Ammerland, Aurich, Friesland, Leer, Wittmund sowie die kreisfreien Städte Emden und Wilhelmshaven.

Die gebürtige Ammerländerin stieg nach ihrem Geographiestudium an der Freien Universität in Berlin bei der Tourist-Information Rastede in die praktische Tourismusarbeit ein. Eine wichtige Station war die Friesland-Touristik GmbH (FTG) mit Sitz in Jever. Als Büroleiterin der FTG begleitete sie den Gründungsprozess der OTG und baute ab 2005 die neue Gesellschaft als Marketingleiterin mit auf. Im Jahr 2013 übernahm sie die Geschäftsführung von Kurt Radtke. Sie besitzt langjährige Erfahrungen in der grenzübergreifenden Zusammenarbeit. Kurz nach Gründung der OTG begann das INTERREG IV A-Projekt „Netzwerk TOEKOMST“, bei dem die OTG Projektpartner war. Im INTERREG V A-Projekt „Watten-Agenda“ sowie im Folgeprojekt „Watten-Agenda 2.0“ ist die OTG Lead-Partner und arbeitet erfolgreich mit den Projektpartnern Merk Fryslân, Marketing Groningen, Internationale Dollard Route, Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer sowie der Nordsee GmbH zusammen.

1. Fassen Sie das Projekt in 3 Sätzen zusammen! Was bringt es der Region?

Ziel des Projekts „Watten-Agenda 2.0“ ist die grenzübergreifende Entwicklung und Umsetzung eines umweltverträglichen und nachhaltigen Tourismus zum Erhalt und Schutz des Ökosystems Wattenmeer. Mit neuen konkreten Zielen und acht innovativen Maßnahmen baut das Projekt auf dem Vorgängerprojekt „Watten-Agenda“ auf und strebt damit die nächste Qualitätsstufe in der grenzübergreifenden Wattenmeer-Zusammenarbeit an. Die Umsetzung der „Watten-Agenda 2.0“ erfolgt durch ein Konsortium aus sechs Partnerorganisationen aus den Bereichen Wattenmeerschutz und Tourismus. Verschiedene Zielgruppen und Stakeholder werden in der 42-monatigen Projektlaufzeit in die Entwicklung, Erprobung und in den Transfer der innovativen Formate für die Wattenmeerregion eingebunden. Pilothaft werden dabei innovative Lösungen, wie z.B. eine Gamification-App rund um das Thema Müllvermeidung, entwickelt.  Leistungsträger und KMU erhalten konkrete Tipps und praktische Hilfestellung durch Checklisten für die nachhaltigere Durchführung von Events in der Weltnaturerberegion. Grenzübergreifender Erfahrungsaustausch, Wissenstransfer und die Sensibilisierung von Leistungsträgern und KMU für die Herausforderungen des demografischen Wandels bis hin zu Impulsen für die Angebotsentwicklung werden über das Arbeitspaket Barrierefreie Wattenmeerregion ausgelöst.  Bürgerschaftliches Engagement, nachhaltige Mobilität und die Verknüpfung von Natur und Kultur bringen innovative Ansätze in weiteren Arbeitspaketen.

“Diese neuen Ansätze verdeutlichen das Potential einer gemeinsamen Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus in der grenzübergreifenden Wattenmeerregion für einen größtmöglichen Schutz des Weltnaturerbes.”

2. Worin besteht der Nutzen und die Notwendigkeit, grenzüberschreitend zusammenzuarbeiten? Warum ist INTERREG/Europa so wichtig?

Das Wattenmeer ist ein weltweit einzigartiger Naturraum, das seit Jahrzehnten unter Schutz steht. Seine Bewahrung wurde mit der Auszeichnung zum UNESCO-Weltnaturerbe nochmals international untermauert. Dieser einzigartige Lebensraum besitzt sowohl hinsichtlich der geologischen und ökologischen Prozesse als auch seiner Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt eine weltweit herausragende Bedeutung und ist prägend für die Ems Dollart Region. Das Wattenmeer und die Küstenregion bieten ein Zuhause für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die andernorts selten geworden sind.

Gleichzeitig ist dieser Raum aber auch Siedlungs- und Wirtschaftsraum für eine Million Menschen und Urlaubsregion für mehr als vier Millionen Gäste. Der Schutz dieses einzigartigen Lebensraumes kann dauerhaft nur gelingen, wenn er breit gesellschaftlich getragen wird. Der Ausgleich der Interessen von Naturraum und regionaler und touristischer Entwicklung stellt daher eine immanente Herausforderung dar, denen mit innovativen Lösungen begegnet werden muss. Eine touristische Nutzung, die das Wattenmeer lediglich „berücksichtigt“ greift dabei zu kurz. Vielmehr muss ein nachhaltiger Tourismus einen aktiven Beitrag zum Schutz der Wattenmeerregion leisten. Es ist ein wertschätzender Tourismus erforderlich, der auf die Bedeutung und die Einzigartigkeit des Wattenmeers fokussiert und dadurch zu dessen Schutz beiträgt.

Erste Schritte in diese Richtung sind mit dem Vorgängerprojekt „Watten-Agenda“ bereits umgesetzt worden. Erfahrungen wurden gemacht, erste Maßnahmen wurden erprobt und verstetigt und grenzübergreifende Strukturen für einen nachhaltigen Tourismus in der Wattenmeerregion wurden aufgebaut. Auf dieser Basis können im Projekt „Watten-Agenda 2.0“ weitergehende Ziele und ehrgeizigere Maßnahmen gemeinsam formuliert und angegangen werden. Dieses gilt sowohl für neue Themen, z.B. Bekämpfung der Plastikvermüllung oder Reduzierung der Lichtverschmutzung, als auch hinsichtlich eines noch stärkeren grenzübergreifenden Transfers vorbildlicher Lösungen und deren Weiterentwicklung, z. B. im Hinblick auf innovative barrierefreie Zugänge zum Wattenmeer oder neuer „smarter“ Ansprachen jüngerer Zielgruppen. Diese neuen Ansätze verdeutlichen das Potential einer gemeinsamen Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus in der grenzübergreifenden Wattenmeerregion für einen größtmöglichen Schutz des Weltnaturerbes.

“Der Wissenstransfer nimmt dabei eine wichtige Rolle ein.”

3. Was sind (im Rahmen des Projekts) Erfolgsfaktoren oder Verbesserungspunkte hinsichtlich grenzüberschreitender Zusammenarbeit?

Der Nationalpark Wattenmeer erstreckt sich über die Niederlande und Deutschland (und Dänemark) und stellt damit ein natürliches grenzübergreifendes Bindeglied für die Ems Dollart Region dar und ist zugleich prägend für die Region. Dass eine grenzübergreifende Zusammenarbeit zu diesem speziellen Landschaftstyp entsprechend sinnvoll und notwendig ist, ergibt sich folglich aus dem gemeinsamen Ökosystem Wattenmeer. Sowohl die Schutzbedürfnisse des Wattenmeers als auch die Anforderungen an einen nachhaltigen Wattenmeertourismus können sich in der Sache nicht wesentlich zwischen dem niederländischen und dem niedersächsischen Wattenmeer unterscheiden. Dennoch gibt es teilweise unterschiedliche Herangehensweisen und Lösungen im „Umgang“ mit dem Schutz des Wattenmeeres. Als Beispiel sei nur die Plastikmüllproblematik genannt. Hier werden sich die Projektpartner gegenseitig mit ihren Erfahrungen ergänzen und gemeinsam grenzübergreifende Strategien entwickeln.

Die Erfahrungen aus der bisherigen Zusammenarbeit haben gezeigt, wie unterschiedlich die Strukturen beiderseits der Grenze im Detail sind. Gleichzeitig haben die Projektpartner eine vertrauensvolle, gemeinsame Arbeitsatmosphäre entwickelt. Diese Basis ist nun ideal, um die in der „Watten-Agenda 2.0“ geplanten Maßnahmen zielgerichtet umzusetzen. Der Wissenstransfer nimmt dabei eine wichtige Rolle ein. Bei der gemeinsamen Entwicklung des Projektes hat sich gezeigt, dass unterschiedliche Kenntnis- und Entwicklungsstände, z. B. zum Thema Barrierefreiheit oder zum bürgerschaftlichen Engagement in der Projektgemeinschaft bestehen. Andere Maßnahmen, z. B. „smarte“ Applikationen, sind komplett neu grenzübergreifend zu entwickeln. Hieraus ergeben sich Synergien, damit nicht jede Teilregion innerhalb der EDR eigenständig Lern- und Entwicklungsprozesse durchlaufen muss.

Über das Projekt

Die Projektgemeinschaft des INTERREG V A-Projekt „Watten-Agenda 2.0“ arbeitet aktuell an der Umsetzungsplanung. Dabei kann die Projektgemeinschaft auf das Vorgängerprojekt „Watten-Agenda“ aufbauen. Alle Maßnahmen werden konsequent gemeinsam und grenzübergreifend umgesetzt.  Erste Ergebnisse sind die Einrichtung einer online Arbeits- und Kommunikationsplattform via Trello und Google Drive, die Festlegung von Meilensteinen für die grenzübergreifende, gemeinsame Erarbeitung der Projektziele, damit die konzeptionelle Detailplanungen zu den Arbeitspaketen in den monatlichen Jour Fixe Sitzungen und ersten Ausschreibungen zur Umsetzung der Outputs. Bei der Kick-off Veranstaltung zum Projekt am 15. Mai 2019 wird das Projekt einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Teilnehmer*innen können dabei Umsetzungsideen über Workshops einbringen. Zudem wurden die ersten Sensibilisierungsschulungen zum Arbeitspaket „Barrierefreie Wattenmeerregion“ für den 23. und 24. Oktober terminiert.