30 Jahre Interreg

Thema: Unterschiede

"Bei uns sind es wirklich Nachrichten ohne Grenzen.“

30 Jahre Interreg

Grenzenlose Informationen. Der Nordwesten Deutschland und der Norden der Niederlande sind wirtschaftlich, historisch und kulturell auf vielen Ebenen miteinander verbunden. Doch in vielen Medien endet die Berichterstattung immer noch an der Grenze. Dabei sind viele Menschen an Infos über die Geschehnisse bei den Nachbarn interessiert. Hier setzt das INTERREG-Projekt „Ohne Grenzen“ mit seinem Newsportal NOORD360 und einer niederländisch-deutschen Fernsehsendung an.

Erdbeben in der Region Groningen. Ein schwerer Unfall direkt hinter der Grenze. Corona-Maßnahmen im Nachbarland. Der Bau der längsten Fahrradbrücke Europas in Winschoten oder der geplante Bau einer Eiffelturm-Nachbildung in Friesland. Themen, die die Menschen beschäftigen. Aber auch Themen, von denen sie oft nur wenig mitbekommen, weil sie auf der anderen Seite der Grenze stattfinden. Das Projekt „Ohne Grenzen“ der Ems Dollart Region (EDR) hat sich zum Ziel gesetzt, umfassend über Geschehnisse in der ganzen Region zu berichten. Das geschieht online über das Newsportal NOORD360 unter www.noord360.eu und über die dazu gehörigen Social-Media-Kanäle. Darüber hinaus gehört die TV-Sendung „Ohne Grenzen“ zum Projekt. Sie ist jeden Monat bei Ems TV und in den Niederlanden bei RTV Drenthe zu sehen ist. Möglich wird die Umsetzung des Projektes durch eine Förderung mit EU-Mitteln aus dem INTERREG V A-Förderprogramm Deutschland-Nederland.

Mario Rauch, Projektleiter von „Ohne Grenzen“

Die ganze Region im Blick

„Viele Zeitungen und andere Medien berichten oft nur aus ihrem Verbreitungsgebiet oder aus dem eigenen Land. Es muss schon etwas sehr Gravierendes außerhalb dieses Gebietes passieren, damit es Erwähnung findet“, sagt „Ohne Grenzen“-Projektleiter Mario Rauch. „Dabei haben viele Menschen in unserer Grenzregion ein großes Interesse an Geschehnissen im Nachbarland. Viele Emsländer oder Ostfriesen wohnen so nahe an der Grenze, dass für sie Ereignisse und Nachrichten aus Nachbarorten wie Emmen, Stadskanaal oder Winschoten relevanter sein können als Nachrichten aus dem eigenen Landkreis“, so Rauch.
Und hier setzt das Projekt „Ohne Grenzen“ an: „Wir arbeiten tagesaktuell Themen und Geschehnisse auf, die für die nördliche Grenzregion relevant sind. Das geschieht immer in beiden Sprachen. Dabei haben wir unsere ganze Region im Blick – also die nord-niederländischen Provinzen Groningen Drenthe und Friesland sowie große Teile des Weser-Ems-Gebietes auf deutscher Seite. Bei uns sind es wirklich Nachrichten ohne Grenzen.“

Grenzenlos ist auch die Themenvielfalt: „Wir haben keinerlei kommerziellen Hintergrund. Daher müssen wir nicht zwangsläufig mit jedem Thema viele Menschen erreichen. Stattdessen können wir auch auf Themen aufmerksam machen, die eher eine kleine Zielgruppe haben, aber deshalb nicht weniger interessant oder weniger relevant sind. Wenn wir zum Beispiel über die grenzübergreifende Bedeutung von Arp-Schnitger-Orgeln berichten, dann ist das sicher nicht für alle interessant. Aber solche Themen haben aufgrund der grenzübergreifenden kulturellen Relevanz und einer interessierten Zielgruppe trotzdem ihre Daseinsberechtigung“, erklärt Mario Rauch.
Eine besondere Funktion übernahm NOORD360 während der Corona-Krise. „Wir haben immer sehr aktuell über die Entwicklungen auf niederländischer und deutscher Seite unserer Region berichtet. So wurden wir zur Anlaufstelle für viele grenzübergreifende Fragen. Viele Menschen informierten sich zu Fragen der Grenzöffnung. Andere wollten wissen, was beim Einkaufen im Nachbarland zu beachten ist und ob sie zum Beispiel einen Mundschutz tragen müssen. Die Nachfrage nach gesicherten Infos stieg in der Hochphase der Pandemie stark an. Wir hatten sehr hohe Zugriffszahlen in unseren sozialen Medien und in unserem News-Portal.“

Infoquelle für andere Medien

Darüber hinaus erfüllt NOORD360 noch eine andere Funktion: „Wir sehen uns auch als Dienstleister, um grenzübergreifende Zusammenhänge oder kulturelle Unterschiede zu erklären. Daher legen wir den Fokus nicht nur auf die aktuellen Geschehnisse, sondern holen in den Erklärungen manchmal weiter aus als andere Medien, um den Menschen den niederländischen oder deutschen Kontext zu erläutern“, so Rauch, der gemeinsam mit seinem niederländischen Kollegen Alfred Been für die meisten Texte verantwortlich ist.
„Deshalb sind wir oft auch Infoquelle für viele Medien. Redakteure von Zeitungen rufen uns an, wenn sie Hintergründe zu bestimmten Themen und Geschehnissen des Nachbarlandes brauchen. Wir können dann zumeist die Zusammenhänge erläutern. Oft werden sie überhaupt erst durch uns auf bestimmte Themen des Nachbarlandes aufmerksam. Das war aber auch eine der Zielsetzungen des Projektes“, sagt Mario Rauch. „Inzwischen dürfte daher auch allen klar sein, dass wir keine Konkurrenz für bestehende Medien und Unternehmen sind. Wir verfolgen kein kommerzielles Interesse. Wir sind eine Ergänzung zu bestehenden Medien und Journalisten können unsere Dienste gerne in Anspruch nehmen. Oft verlinken wir auch auf bestehende Zeitungsartikel und Videos. So sorgen wir dafür, dass die Klickzahlen vieler Medien in unserer Region steigen, weil wir auf Berichte hinweisen, die viele Menschen sonst vermutlich nie entdeckt hätten.“

Ineke Kemper ist eine der Moderatorinnen der TV-Sendung „Ohne Grenzen“

Auch im Fernsehen

Der Ansatz des Projektes sei, in der Grenzregion für ein besseres Verständnis der Menschen untereinander zu sorgen: „Und dazu gehört auch, dass man bestimmte Geschehnisse und Themen in den behördlichen, historischen oder kulturellen Kontext des Nachbarlandes einordnen kann. Dazu wollen wir beitragen. Deshalb liefern wir neben den News oft auch die nötigen Hintergründe“, so Rauch. Dieser Ansatz komme besonders auch bei den zum Projekt gehörigen Fernseh-Sendungen zum Tragen. Im halbstündigen Infotainment-Format „Ohne Grenzen“, hinter dem ein niederländisch-deutsches Redaktionsteam steht, wird regelmäßig verglichen, welche Unterschiede oder auch Ähnlichkeiten es zwischen den Niederlanden und Deutschland gibt. „Wir gehen in der TV-Sendung zum Beispiel der Frage auf den Grund, welche Unterschiede es zwischen einer niederländischen und deutschen Führerscheinprüfung gibt. Oder wir fragen nach, ob sich niederländische und deutsche Supermärkte unterscheiden“, sagt Mario Rauch.
Die Sendungen sind auch online über www.noord360.eu abrufbar.

Weitere Formate von NOORD360

Inzwischen hat NOORD360 zudem einen eigenen Podcast. Dieser wird in Zusammenarbeit mit dem Projekt-Baustein „PraktiTrans“ aus dem INTERREG-Projekt „Arbeitsmarkt Nord“ der Ems Dollart Region produziert. Die Niederländerin Tessa Gilbert und die Deutsche Caroline Wille gewähren mit kleinen Anekdoten einen Einblick in die Arbeit in beiden Ländern. „Was auffällt: Kleine Unterschiede in System und Sprachen können sich schon stark auswirken“, sagt Caroline Wille.

Weiterer Bestandteil des News-Portals ist ein grenzübergreifender Event-Kalender. „Den gab es so vorher in dieser Form auch noch nie. Wir können einen Veranstaltungsüberblick über die ganze Region und über Grenzen hinweg bieten“, sagt Mario Rauch. „Denn oft genug haben wir gehört, dass Menschen aus der Grenzregion für Konzerte nach Hamburg oder sogar noch weiter gereist sind, um dann im Nachhinein festzustellen, dass ihre Lieblingsband auch in Groningen aufgetreten ist“, so Rauch.
„Unser Projekt ist ein weiterer Baustein dazu, die Region noch weiter zusammenrücken zu lassen. Informationen sorgen für das nötige Verständnis und bauen Hemmschwellen ab. Unsere Region hat viel zu bieten – vor allem, wenn wir nicht nur bis zur Grenze schauen, sondern auch das ganze Gebiet im Blick haben. Wir bieten den Rundumblick. 360 statt 180 Grad.“

Immer aktuell: NOORD360 informiert über Themen und Geschehnisse aus der nördlichen Grenzregion.

NOORD360 ist über www.noord360.eu und unter @noord360 bei Instagram, Facebook und Twitter zu finden.